Nachfolgend mein
vierter Jahresarbeitsbericht. Ich hab mich entschlossen, ihn in´s
Internet zu stellen, um Ihnen einen kleinen Einblick in meine Arbeit
zu gewähren.
Vierter
Jahresbericht des Ehrenamtlichen
Behindertenbeauftragten
der Stadt Meppen
März
2003 bis März 2004
„In Zukunft barrierefrei“
Dies
ist ein weiterer Überblick der Behindertenarbeit in Meppen und
Umgebung.
Ich
hatte vor vier Jahren die Vorstellung von einem Barrierefreien
Meppen, als ich die Arbeit des Behindertenbeauftragten angefangen
habe. Dieser Traum besteht noch immer, doch das Ziel ist noch weit
entfernt.
Einleitung:
Auf
dem Weg zu diesem Ziel hat sich in Meppen schon sehr viel getan, ob
es Bürgersteige, Behindertenparkplätze
oder Gebäude sind, es setzt sich immer mehr durch, dies für alle
Menschengruppen Barrierefrei anzulegen bzw.
Bauen. Meppen war eine der ersten Städte im Bezirk
Weser-Ems, die einen Ehrenamtlichen Behindertenbeauftragten bestellt
hat, daß dieses zum Vorteil der Stadt ist, ist mir von vielen Mitbürgern,
als auch von politischer Seite bestätigt worden.
Nach
vielen Jahren besonderer Bemühungen, unsere bauliche Umgebung
behindertengerecht zu gestalten, gehen wir heute endlich dazu über,
barrierefrei zu denken. Das heißt, wir berücksichtigen
nicht mehr die Anforderungen einer bestimmten Personengruppe,
sondern unsere Planung berücksichtigt alle Menschen.
Es ist
sicher, dass bereits mit Planungsbeginn entwickeltes barrierefreies
Bauen andere und bessere Lösungen hervorbringt als nachträgliche
Verbesserungsversuche an ursprünglich nicht entsprechend
konzipierten Objekten.
Eine
wesentliche Erfahrung ist es, zu erkennen und zuzugeben, dass man
als PlanerIn die Belange der Behinderten zwar besser, aber immer
noch nicht richtig versteht und vertreten kann, wenn man selbst
einmal (zu Demonstrationszwecken) im Rollstuhl gesessen hat.
So
kann man erleben, welche Hürden Rollstuhlfahrerinnen zu bewältigen
haben, nicht aber nach vollziehen, wie es RollstuhlfahrenInnen tatsächlich
ergeht. Dazu müsste man sich freiwillig die Füße festgurten, sich
in der Reichweite reduzieren, in der Motorik zurücknehmen, die Fähigkeit,
das Gleichgewicht zu halten, einschränken, mit Hilfe einer
Sonnenbrille die Sehkraft schwächen und vieles mehr.
In die
Situation von Kindern, SchülerInnen, BesucherInnen, Kranken oder
SportlerInnen kann sich jeder mehr oder weniger gut hinein versetzen
– nicht aber in die von alten oder behinderten Menschen. Dies gilt
besonders, wenn die sensorischen Einschränkungen, die mit
nachlassenden oder fehlenden Seh- oder Hörvermögen einhergehen,
mitbedacht werden sollen.
Nachdem
das Bundesgleichstellungsgesetz Wirkung
zeigt, muss nun das Land Niedersachsen mit einem
Gleichstellungsgesetz kommen. Dieses Gesetz muss so gestaltet sein,
daß alle Öffentlichen Gebäude in einem überschaubaren Zeitraum (
ca. 10 Jahre ) Barrierefrei umgestaltet werden müssen. Es wäre schön
gewesen, wenn dieses Gesetz 2003 schon gekommen wäre. Dieses hätte
gut in das „Europäische Jahr der Behinderten“ gepasst.
Aber
lieber vernünftig ein Gestz einbringen, als eine schnelle
Entscheidung , die dann ständig reformiert werde muß.
Arbeitsbericht:
Im
abgelaufenen Berichtszeitraum habe ich an 11 Veranstaltungen in
Hannover teilgenommen. Hauptthema war der Internetauftritt
Barrierefreie Kommune und die Wohnberatung im Alter und bei
Behinderung. Ein weiteres Thema war auch das
Landesgleichstellungsgesetz, zu diesen Gesetz hat der
Landesbehindertenrat ein Eckpunkte -papier entwickelt. Dieses Papier haben die Behindertenbeauftragte von
Wolfsburg und ich in Wolfsburg während einer Sitzung des
Landesbehindertenbeirats dem Staatssekretär im
Gesundheitsministerium Herrn Gerd Hoofe übergeben.
Herr
Hoofe hat dann in seiner Rede vor dem Betriebsrat des
Volkswagenwerkes Wolfsburg die Bestellung von Kommunalen
Behindertenbeauftragten als eine der wichtigen Teile dieses Gesetzes
hervorgehoben. Mein Part bei diesem Eckpunktepapier war die
Bestellung von Kommunalen Behindertenbeauftragten und die
Barrierefreiheit von Gebäuden, Plätzen und Straßen.
Die
Software für den Kommunalen Stadtführer ist in mehreren Sitzungen
erstellt worden, diese ist dann am 30.01.2004 in Groß Burgwedel an
den Bürgermeister im Namen aller 429 Gemeinden übergeben worden.
An diesem ersten Internetauftritt haben sich aus Niedersachsen 6
Kommunen beteiligt. Die Fragebögen sind in Zusammenarbeit mit den
Wohngruppen des Vituswerkes ausgefüllt worden. Zur Zeit sind ca. 85
Geschäfte in Meppen erfasst worden. 12 davon habe ich schon in dem
Stadtführer „nicht nur für Behinderte“ eingegeben. Ab März
steht mir eine junge Sozialpädagogin zur Seite die mir beim
Ausmessen der Räumlichkeiten und dem Eingeben in das
Computerprogramm behilflich ist. Diese Aufgabe soll ihr einen ersten Überblick in diese
hochsensible gehaltvolle Thematik verschaffen. Wenn alles gut läuft
kann, dieser Stadtführer bis zum Ende des Jahres vollständig sein.
Die
Wohnberatung nimmt in meiner Arbeit einen immer breiteren Raum ein.
Waren es im ersten Jahr 2 bis 3 Fälle, so sind es im letzten Berichtszeitraum schon acht Fälle
gewesen. Hier wird es immer schwerer barrierefreien Wohnraum, der zu
dem noch bezahlbar ist, zu finden.
Zur
Zeit bin ich auf der Suche nach einer 2 Zimmerwohnung für einen ca.
30 jährigen Rollstuhlfahrer, der gerne im Zentrum wohnen möchte,
um ohne große Transportkosten am täglichen Leben teilzunehmen. Zu
diesem Thema habe ich an zwei Workshops in Hannover teilgenommen.
Hier stand der Umbau von Wohnungen aus dem Altbestand im
Vordergrund, denn es wird zu kostenintensiv, immer wieder neuen
Wohnraum zu schaffen, ganz abgesehen davon, dass kaum noch eine
Stadt Grundstücke in dem Ausmaß zur Verfügung stellen kann.
Das
Pflaster in den Fußgängerzonen konnte im Bereich ehemals
Kaisers-Passage und im Bereich Hasehubbrücke und der Meppener
Tagespost mit einem ebenen Pflaster versehen werden. Hier bin ich
von mehreren Meppener Bürgern lobend angesprochen worden.
In den
Fußgängerzonen und in den umliegenden Straßen wie
Nikolaus-Augustin-Str. und Hinterstraße muss noch einiges getan
werden, um hier die
Stolperfallen zu beseitigen.
Auch
konnten im letztem Jahr in den Bereichen Esterfeld und Schützenhof
mehr als 30 Bürgersteige abgesenkt werden. Hier ist die Wichtigkeit
der 10000.- €, die, die Stadt in jedem Jahr für den
Barrierefreien Ausbau der Straßen und Plätze im Städtischen
Haushalt vorsieht, zu sehen. Insbesondere sind die Bürgersteige an
der Schützenstraße und Schützenhof abgesenkt worden, da dies der
größte Gefahrenpunkt in der Stadt war.
Dank
einer Pro-Land-Fördermaßnahme konnte der Außenbereich des
Kunstzentrums Koppelschleuse mit einer wassergebundenen Schlacke
versehen werden, hier ist jetzt für Gehbehinderte und
Rollstuhlfahrer das Gehen bzw. das Rollen stark erleichtert worden.
Auch sind die mit
Stufen verbundenen Gebäude mit Rampen versehen worden. Dieser Gebäudekomplex
ist trotz der Bedenken des Denkmalschutzes so hergestellt worden,
dass der Denkmalschutz und die Barrierefreiheit gut miteinander
harmonieren. Hier gilt mein Dank dem Bauamt, insbesondere möchte
ich dabei Herrn Gößling nennen.
Da im
Bundesgleichstellungsgesetz das Gaststättengesetz auf Bundesebene
in 2001 geändert wurde, hat das Land Niedersachsen nachgezogen und
auch das Landesgaststättengesetz verändert, daher ist für alle
neugebauten Gaststätten und Restaurants verpflichtend, die
Barrierefreiheit inkl. der Toilettenanlage einzuhalten. Auch wurden
Gaststätten und Restaurants in die Niedersächsische Bauordnung §
48 aufgenommen.
Die
von mir im letzten Bericht angesprochene Hasetaltour hat im letzten
April stattgefunden und ist auch abgeschlossen. Das Kartenwerk ist
von mir im letzten Sommer erstellt worden und an das Hasetal-Büro
gegeben worden. Da es im Grunde zur Zeit nur in Meppen
Behindertengerechte Unterkünfte gibt, sollen von hier aus
Rundtouren angeboten werden.
Die
Werbung soll in diesem Jahr starten.
Des
weiteren hat mich ein Architekturbüro aus Lathen angesprochen, die
in Hilter den Auftrag haben, einen Reiterhof umzubauen. Dieser
Reiterhof soll komplett Barrierefrei gestaltet werden, um für
Behinderte das Therapeutische Reiten anzubieten. Hauptthema war der
Umbau der Ferienwohnungen, die dann nach DIN 18025 umgebaut werden
sollen und den Ansprüchen der Behindertengerechten Unterbringung
genügen müssen.
Aus
der Region Bentheim sprach mich eine Besitzerin eines Streichelzoos
an, ob ich Ihr helfen könne, diese Einrichtung so umzugestalten,
dass diese auch von Gruppen aus Behinderteneinrichtungen besucht
werden kann. Auch dieses konnte mit zwei Besuchen erfolgreich
realisiert werden.
Seit
Anfang Januar erreichen mich wöchentlich mehrere
Anrufe aufgrund der Gesundheitsreform. Hier hat es sehr viel
klärende Gespräche mit den Krankenkassen gegeben, die zum Teil
erfolgreich, aber andererseits auch unzufriedenst ausgefallen. Da diese Gesetze alle sehr neu sind, musste ich
sehr zeitaufwendige Internet Reschärsche betreiben.
An
dieser Stelle möchte ich mich besonders bei der Verwaltung der
Stadt Meppen, insbesondere bei Herrn Strodt, für die gute
Zusammenarbeit bedanken. Auch möchte ich mich bei allen Fraktionen
für gute Zusammenarbeit und das Verständnis bedanken.
Auflistung
von Beratungen im Zeitraum:
Insgesamt
hat es abgelaufenen Berichtsjahr über 170 Kontakte gegeben.
41
Beratungstage im Stadthaus mit ca. 125 Kontakten.
Ca. 50
Kontakte bei Hausbesuchen.
Diese
Kontakte gliedern sich folgendermaßen auf:
-
15 X Bauberatung
Privat
-
8
X Stellungnahmen
fürs Bauamt
-
3
X Arbeitsvermittlung > Landkreis und Arbeitsamt
-
15 X
Hilfsmittelberatung
-
10 X
Parkerleichterungen und Parkausweise
-
8
X Arbeitsstellenberatung
-
15 X
Schwerbehindertenausweis
-
8
X Wohnungssuche und Wohnberatung
-
5
X Pflegeberatung
-
5
X PKW Beschaffung
-
9
X Euro-Schlüssel für Behindertentoilette
-
5
X Unterbringung Pflegeheim
-
5
X Kontakte mit dem St. Vituswerk
-
5
X Vermittlung an andere Einrichtungen
-
4
X Barrierefreie Stadt
-
6
X Kontakte zur Landestreuhandstelle
-
15
X Gespräche mit Krankenkassen
-
45
X Allgemeine Beratung
-
Vermittlungsgespräch
mit der Gemeinde-Unfall Versicherung
-
Mitarbeit
Eckpunktepapier LGG
-
Stellungnahme
Landesgaststättengesetz
-
Stellungnahme für
Landestreuhandstelle
-
Mitarbeit im
Kreisbehindertenbeirat, Ausstellung zum Europäischen Jahr der
Behinderung. Überprüfung der Behindertenparkplätze in
Lingen, Papenburg und Meppen
-
Mitarbeit im
Landesbehindertenbeirat
-
2 Gesprächsrunden
bei der DAA (Deutsche Angestellten Akademie)
-
4 Teilnahmen an
den Gesamttreffen der Selbsthilfegruppen
-
Teilnahme am
Gleichstellungstag in Papenburg
-
Ausrichtung und
Organisation vom Treffen „Runder-Tisch-Behindertenarbeit“
-
Teilnahme an 11
verschiedenen Veranstaltungen in Hannover
-
3 Teilnahmen an
Sitzungen des Landesbehindertenrates,
Hannover/Papenburg/Wolfsburg
-
Fahrt nach Düsseldorf
zur Reha
-
Mitarbeit zur
Erstellung des Internet Programms Barrierefreie Kommune
Die
Teilnahme in den einzelnen Ausschüssen führe ich nicht mehr auf,
da diese von mir als Ratsmitglied abgearbeitet werden.
Fahrten
zu Hausbesuchen und außerhalb von Meppen:
11
Veranstaltungen in Hannover
1
Veranstaltung in Wolfsburg
1
Veranstaltung in Bremen
1
Fahrt nach Düsseldorf
4
Fahrten nach Papenburg
5
Fahrten nach Haren
4
Fahrten nach Werlte
5
Fahrten nach Sögel
8
Fahrten nach Haselünne
4
Fahrten nach Lönningen
1
Fahrt nach Quakenbrück
2
Fahrten nach Lingen
Ca.
30 Fahrten innerhalb von Meppen und Ortsteilen
Wie
Sie erlesen können, ging wieder bei den meisten Beratungen um den
Neu- und Umbau von Privathäusern. Aber auch im Bereich des
Schwerbehindertenausweises gab es im letzten Jahr enormen Bedarf.
Wie auch in den Jahren zuvor bedurfte die Beratung in der Versorgung
von Hilfsmitteln und zur Lebensplanung nach Unfall und Krankheit
intensiven Zeitaufwand.
Ausblick:
In dem
nächsten Jahr werde ich sehr viel Zeit in die Komplettierung des
Stadtführers investieren müssen. Aber auch den Bahnhof und das
Umfeld werde ich nicht vernachlässigen, denn hier wird es höchste
Zeit für einen Umbau der Gleisanlagen und dem Barrierefreien Zugang
der Bahnsteige 2 und 3. Auch muss überlegt werden, am Kossehof im
Eingangsbereich zumindest einen Streifen mit einem ebenen Pflaster
zu versehen, um die Stolpergefahr beseitigen. Da an der Höltingmühle
zur Zeit ein Umbau stattfindet, könnte man hier gleichzeitig das
Katzenkopfpflaster im Eingangsbereich aus wechseln.
Auch
die Fußgängerzone bedarf dringend einer Erneuerung, denn das
Pflaster wird immer mehr abgängig.
Ebenfalls müssen die Bürgersteige in allen Stadtteilen nach
und nach umgebaut werden.
Ich
hoffe, Ihnen mit diesem Bericht einen Überblick über die Arbeit
ihres Behindertenbeauftragten gegeben zu haben. Ich bitte Sie, liebe
Ratskolleginnen und Ratskollegen, mich weiter in meinen Bemühungen
zum Wohle der Menschen mit Behinderungen zu unterstützen.
Walter
Teckert
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